PD Dr. Paul Widmer
Philipps-Universität Marburg
LOEWE-Schwerpunkt: Fundierung linguistischer Basiskategorien
In welchem Projekt sind Sie tätig?
Im LOEWE-Schwerpunkt „Fundierung linguistischer Basiskategorien“, hier in den beiden Teilprojekten „Kasussynkretistische Prozesse in der Langzeitdiachronie“ und „Strategien der Argumentidentifikation in V1- und V2-Sprachen. Eine neurolinguistisch-diachrone Untersuchung des Kymrischen“.
Womit beschäftigen Sie sich aktuell?
Im ersten Teilprojekt ungefähr mit der Frage: Wie kommt es, dass eine Sprache mit vielen Kasus wie das Latein sich zu einer Sprache ohne Kasus (Französisch) entwickelt hat – und wie kommt es, dass beide Sprachen ihre Funktion (erfolgreiche Kommunikation) trotz der Unterschiede erfolgreich erfüllen können? Im zweiten Teilprojekt geht es um die Frage: Wie erkenne ich in einer Sprache ohne Kasus, wer in einem Sachverhalt der Ausführende der Handlung ist?
Welches Ziel hat das Forschungsprojekt?
1. Die Klärung, was ein „Wort“ ist und
2. welchen Einfluss die Semantik (Lehre von der Bedeutung) auf das formale System einer Sprache hat.
Wie sieht ein Arbeitstag bei Ihnen aus?
Die Hälfe der Zeit verbringe ich mit Arbeit an Sprachmaterial, untersuche z. B., wie ein Relativsatz im Mittelbretonischen funktioniert und bringe die Ergebnisse zu Papier. Die andere Hälfe der Zeit verbringe ich mit organisieren, verwalten und unterrichten.
Was macht Ihre Arbeit so spannend?
Mich fasziniert Sprache als überaus komplexes Mittel zur Kommunikation und als Träger von Kultur. Besonders spannend finde ich alte Sprachen, denen man in Kleinarbeit ihre Geheimnisse entlocken kann.
Haben Sie eine wissenschaftliche Vision?
Ich möchte wissen, weshalb und wie sich Sprachen entwickeln.